Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Systemischer Beratung und Systemischem Coaching?

Und welche Fragestellung oder welches Anliegen „passt“ zu welcher Seite?
Bevor wir diese Frage in den Blick nehmen, finde ich es zunächst erklärenswert, was der Zusatz „systemisch“ bei beiden Formaten überhaupt bedeutet: Das Konzept der Systeme kennen wir vorrangig aus Wirtschaft und Industrie. Gleichzeitig ist es aber auch ein Modell, das das Zusammenwirken von Menschen in Gruppen erklärt. Denn jede:r Einzelne von uns ist ein Teil von Systemen, beispielsweise als Teil einer Familie oder als Teil eines (Organisations-)Teams. Dabei ist jeder „Teil“ wichtig und steht zu allen anderen Teilen in Beziehung. Innerhalb eines Systems interagieren diese Teile miteinander.
Auf den Coaching- und Beratungsprozess übertragen heißt das, dass Fragestellungen der Klient:innen nie singulär bzw. isoliert betrachtet, sondern immer in den jeweiligen „Kontext“ gesetzt werden. Oder anders: Der Fokus richtet sich stets auf die Aktionen und Interaktionen, die zwischen den Beteiligten innerhalb eines Systems stattfinden. Denn: Ein Konflikt resultiert schließlich aus dem Zusammenspiel der Beteiligten und Umständen innerhalb eines Systems.

Aber was ist nun der Unterschied zwischen Systemischer Beratung und Systemischem Coaching?

Die Antwort auf diese Frage lässt sich am einfachsten anhand der unterschiedlichen Klientel und Kontexte klären.

Coachings richten sich vorrangig an Führungskräfte, Projektleiter, Mitarbeiter oder Teams in Wirtschaftsunternehmen. Dabei geht es u.a um folgende Themen: Führungskräfte- und Teamentwicklung, Organisationskultur, Veränderungs-, Krisen- und Konfliktmanagement, Mediation etc.

Die systemische Beratung hingegen ist therapeutischer ausgerichtet und fokussiert stärker den privaten Bereich. Sie hat ihren Schwerpunkt in der Begleitung von Einzelpersonen, Paaren und Familien. Sie kommt vor allem dann zum Tragen, wenn Beziehungen als belastend oder nicht mehr zufriedenstellend erlebt werden. Die systemische Beratung richtet sich aber nicht nur an das (private) System Familie, sondern auch an Sozialverbände und Gemeinwesen.

Was allerdings beide Beratungsformen – Coaching und Beratung – gemein haben: Voraussetzung für das Gelingen ist die Beziehung zwischen Klient:in und Coach:in bzw. Berater:in. Daraus ergeben sich hohe Anforderungen an deren persönlichen Kompetenzen: Können sie Vertrauen bilden? In Beziehung treten? Auf Augenhöhe, mit Wertschätzung, Neutralität, Offenheit und Respekt begegnen? Sich flexibel auf das jeweilige Gegenüber einstellen, auf dessen Sprache und Lebenswelt? Die Verhaltens- und Denkmuster ihrer Klient:innen sichtbar machen und analysieren?

Zentral ist meiner Ansicht nach nicht die Frage, ob Coaching oder Beratung besser „passt“, denn diese beiden Bereiche lassen sich nicht strikt voneinander trennen. Meiner Erfahrung nach sind Antworten auf berufliche Fragestellungen oft auch im privaten Kontext zu finden. So zeigt sich beispielsweise ein Burn-Out zwar meist vordergründig im Beruf, hat aber häufig seine Wurzeln auch im persönlichen und privaten Bereich.

Und darum geht es schließlich zuallererst in Coaching und Beratung: Unbewusste Dinge sichtbar zu machen!
Die Arbeit ist vergleichbar mit detektivischem Vorgehen: Verborgene Emotionen, Wünsche und Bedürfnisse werden aufgedeckt und hervorgelockt. Entscheidend ist demzufolge nicht die „korrekte“ Abgrenzung bzw. Unterscheidung der beiden Bereiche, sondern vielmehr, was den Klient:innen hilft und nützt. In meiner Arbeit geht es darum, dass ich gemeinsam mit meinen Klient:innen die nötige Klarheit erarbeite, so dass sie neue Impulse für sich mitnehmen können:

Selbsterkenntnis mit  Perspektive!